Sonntag, 20. November 2016

Website meiner Autorin

Zwischen lernen, abendessen und wieder lernen muss ich rasch eine Info loswerden. Meine Autorin hat eine neue Homepage:
http://www.edithmair.at

So und jetzt rasch weite lernen, diese Woche ist Schularbeit. Rechnungswesen. Pffff....

Freitag, 23. September 2016

Wichtige News!

Hallo! Tja, es ist wie es ist. Für den Blog habe ich praktisch keine Zeit mehr. Traurig, aber so ist es.

Jetzt gibt es allerdings ein paar Dinge, die ihr unbedingt wissen müsst!

Bin nicht sicher, hab ich euch überhaupt schon von meiner Homepage erzählt? Falls ja, dann gilt, was meine Oma immer sagt: doppelt hält besser.

http://kinderbuch-muskelrelaxation.jimdo.com
Das ist die Adresse. Schau doch mal vorbei!

Dass es vom Buch über mich seit letztem Jahr eine Fortsetzung gibt, hab ich dir sicher noch nicht erzählt. Jetzt weißt du es, falls dir das Buch nicht schon untergekommen ist!
Am Titel, "Susanne auf Taa-Nrum L-6-4 - weitere Sciencefiction-Abenteuer mit Entspannungsübungen nach Jacobson", kannst du erkennen, dass Susanne mittlerweile auch zu meinen außerirdischen Freunden reisen kann! Ich weiß nicht, wen das mehr freut, sie oder mich!

Und seit kurzem gibt es von beiden Büchern eine neue Auflage! In der meine Freunde, fast akzentfrei sprechen. Und vom ersten Buch gibt es jetzt auch eine kostenlose Leseprobe als eBook.

Das sind gute Neuigkeiten, nicht wahr?

Sonntag, 14. September 2014

Eine Nacht auf Taa-Nrum L-6-4

Kürzlich bin ich wieder zu meinen Freunden gereist. Das passiert immer nachts, weil ich am Tag ja nicht schlafe. :-)
Doch diesmal war es auch auf Taa-Nrum L-6-4 Nacht! Wow, das war das erste Mal. Angekommen bin ich auf Walas und Totus Bauernhof. Ich bin total begeistert, als ich zum Himmel sehe! Durch die Großstadt, in der ich wohne, sehe ich Sterne nicht so gut, nur wenn ich bei meinen Großeltern im Salzkammergut bin, da ist es anders. Einmal sind wir zu Silvester auf den „Jainzen“ gegangen, das ist ein kleiner Berg in Bad Ischl, den Nachthimmel von dort oben werde ich nie vergessen. Aber der Himmel hier ist unvergleichlich! So viele Sterne auf einmal habe ich mein Leben noch nie gesehen!
Wahrscheinlich habe ich fünf Minuten mit offenem Mund nur nach oben geschaut, bis ich drauf gekommen bin, dass ich meine Freunde vielleicht mal begrüßen sollte! Dann schnappen mich die beiden und laufen zu Tara und Maki. Du weißt, dass meine Freunde enorm schnell laufen können und mich dabei immer in die Mitte nehmen, hoch heben und los geht’s.
„Heute gibta esi Grillen bei Maki undi Tara“, hat Totu nach der Begrüßung gesagt. Da bin ich gespannt!
 
Nach einer geschätzten Minute sind wir da, ich begrüße meine beiden Freunde.
„Khomm, Phether“, sagt Tara, während sie zwei dicke Fackeln anzündet und mir eine davon gibt.
Wir gehen ins Haus, Maki und Totu bereiten einstweilen die Feuerstelle vor, Wala packt die beiden Beutel aus, die sie und Totu mitgebracht haben.
Auf dem Planeten meiner Freunde gibt es keine bombastischen Villen so wie auf der Erde, oder gar Hochhäuser, jedes Haus ist einstöckig und einfach so, wie es zum Leben nötig ist. Tara führt mich herum, im Haus sehe ich ein Zimmer, das Tisch, Sesseln, eine Bank und ein paar Kästen enthält, dann gibt es ein ganz kleines Schlafzimmer, da stehen nur zwei Betten, weiters das Bad, ein Klo und fertig. Das Klo ist ein Plumps-Klo mit einem Wasserkübel daneben, es gibt keinen Strom auf dem Planeten meiner Freunde und, wie du dir denken kannst, ist im Bad auch keine Wanne mit Fließwasser, allerdings gibt es so was wie eine Dusche, das haben die Quomaianer ganz toll gemacht! Es ist im Eck des Raums eine Mauer hochgezogen, oben steht ein mit Seilen befestigter Wasserbottich, der auf einer Seite viele kleine Löcher hat. Ich glaube, der Bottich ist aus den Makatokasträuchern gemacht, du kannst dich sicher an die brettartigen Pflanzen erinnern. Jedenfalls kann man ihn mithilfe der Seile kippen, sodass das Wasser aus den Löchern rinnt. Nicht in so feinen Strahlen, wie unsere Duschen auf der Erde, das nicht, aber trotzdem war ich total, total begeistert, als ich dieses Konstrukt das erste Mal gesehen habe! Das Wasser zum Duschen und für's Klo muss man von einem Bach oder Fluss holen, das ist halt nicht so komfortabel. Trotzdem würde ich auf jede Annehmlichkeit der Erde sofort verzichten, wenn die Menschen alle so wären wie die Quomaianer!
Gekocht und gegessen wird meist im Freien, nur wenn es regnet, hält man sich im Haus auf. Auch der Bauernhof von Wala und Totu ist so angelegt wie das Haus von Maki und Tara, bloß haben sie noch einen Schuppen für ihre Rechen und Schaufeln und Ackergeräte und was man halt sonst noch braucht auf einem Hof. Einen Stall für die Tiere gibt es nicht, die sind Jahr und Tag im Freien, weil’s auf Taa-Nrum L-6-4 keinen Winter gibt. Das meiste Leben meiner Freunde spielt sich draußen ab.
 
Eines gibt es in Taras Haus, das überrascht mich echt! Es stehen ein paar Schüsserln herum mit Krimskrams, das wär’ noch nicht ungewöhnlich, aber die Schüsserln sind alle aus Gold!
„Wahnsinn, Tara, seid ihr so reich, dass ihr euch Gold leisten könnt?“, wundere ich mich. Ich dachte, auf Taa-Nrum L-6-4 sind alle gleich?
„Whas isth rheich“, will meine Freundin wissen.
Für manche Wörter gibt es keine Entsprechung im Quomaianischen.
„Reich heißt, dass man viel Wertvolles, Teures besitzt“, versuche ich zu erklären.
„Dhann sind whir sehr rheich, lhieber Phether“, sagt Tara und lächelt, „whir habenh guthe Fhreundhe, die unsh lieb undh teuer sindh undh whir shind rheich an Erfhahrung und schönen Erhinnerungen.“
Da muss ich auch lächeln.
„Nein, Tara“, antworte ich, „das habe ich nicht gemeint, ich hab das Gold gemeint, das Material, aus dem eure Schüsserln sind, das ist auf der Erde sehr, sehr viel wert, das kann sich nur jemand leisten, der viel Geld hat, also ich meine, ganz viele Dinge zum Eintauschen.“
Es gibt auf Taa-Nrum L-6-4 kein Geld, hier wird nur getauscht.
„Ach nhein, dhas ist bei unsh nicht so, hier hath esh keinen beshonderen Whert. Wir bhrauchen esh nhicht, ehs schaut einfhach schönh aus,  Phether.“
Und auf dem Planeten meiner Freunde wird zur Gewinnung des Goldes sicher niemand ausgebeutet oder muss unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, wie auf der Erde. Ich hab da mal eine Reportage gesehen, die war echt erschütternd!
„Nhein, Phether“, sagt Tara,  die meine Gedanken gelesen hat, „unshere Männher machen das nur eihn phaar Whochen lhang, esh ist schonh recht anstrhengend. Undh das mhacht jeder nur, whenn er Lusth hat. Wie gehsagt, whir bhrauchen das Ghold nichth. Maki hath dhie Schüssehln vor einigher Zeith bekhommen.“
Maki wird für seine Arbeit als Bürgermeister auch nicht in Geld bezahlt, sondern in Naturalien, direkt von den Einwohnern seiner Stadt. Jeder gibt das, was er sich eben leisten kann. Und Maki teilt das dann mit seinen Mitarbeitern im Stadtamt, wie Totu zum Beispiel.
 
Als wir wieder hinausgehen, flackert bereits ein nettes Feuer. Das Essen wird wohl noch eine Zeit lang dauern, zuerst müssen die Flammen runterbrennen. Am Tisch vor dem Haus sind einige Köstlichkeiten bereitet, die in Totus und Walas Beuteln waren. Mehrere lange Stäbe lehnen am Tisch, um Fleisch oder Würstchen darauf zu spießen. Tara und ich haben weiteres Essen vom Haus ins Freie mitgenommen. Dann setzen wir uns auf den Boden, um das Feuer herum.
 
Wir sitzen alle zunächst ganz still da und schauen in die Flammen. Die Geräusche in der Nacht sind vollkommen  anders als am Tag! Auf der Erde kann man in einer lauen Sommernacht Grillen hören, also am Land zumindest. Hier auf dem Planeten meiner Freunde höre ich faszinierende Laute von Tieren, die fast ein bisschen wie atonale Musik klingen, ganz eigenartig, aber echt toll!
In der Luft schweben kleine, leuchtende Fäden nach oben, zuerst glaube ich, dass das vom Feuer kommt, aber nein, diese Fäden schweben überall!
„Dasss ssinnttt Mahalllasss“, sagt Wala, die meine Gedanken gelesen hat.
Mahallas?
„Esa sindi Käfer“, erklärt Totu, „die siehsti du nur in dera Nachti.“
Mah, liab, wie unsere Glühwürmchen!
„Wenn zwei zwei zusammen nach oben schweben, dann darfst dann darfst du dir etwas wünschen, Peter, das bringt bringt Glück“, sagt mein Freund Maki.
„Gut, Maki, dann werde ich ganz genau aufpassen!“
Ich schaue wieder zum Himmel, er ist einfach so einzigartig schön! Ob einer dieser funkelnden Punkte meine Sonne ist? Ein Stern leuchtet ganz besonders kräftig.
„Dhas isth khein Stern, Phether, dhas isth dher nächste Phlanet“, erklärt Tara, „auch whenn dhu dhas vhiellheicht nhicht glaubst.“
„Doch, Tara, natürlich glaube ich dir! Auch am Erdenhimmel kann man Planeten leuchten sehen, die Venus zum Beispiel, unseren nächsten Nachbarn. Habt ihr hier auch Sternbilder?“
„Was ist mit Sternbildern, mein Schatz?“
 
Oh! Nein! Ich bin aufgewacht! Mama steht an meinem Bett.
„Steh auf, Peter, es ist Zeit“, sagt sie und geht hinaus.
Ach, schade, wieso muss ich vor dem Essen aufwachen? Hätte die Nacht nicht noch ein bisschen länger dauern können?

Dienstag, 29. Juli 2014

Diese Feier war nicht lustig

Leider komme ich in letzter Zeit recht selten dazu, die Erlebnisse mit meinen Freunden aufzuschreiben. Das tut mir leid. Was ich dir heute erzählen will, liegt auch schon wieder zwei Monate zurück.
Ich bin eines Nachts wieder zu meinen Freunden gereist. Angekommen bin ich mitten in Walas und Totus Küche. Sie ist total schön dekoriert, Blumen überall, auf dem Tisch, auf den Schränken, sogar an der Wand. Und der Tisch biegt sich fast unter den quomaianischen Köstlichkeiten! Schmatz, mir läuft gleich das Wasser im Mund zusammen!
Alle vier Freunde sind da, Maki und Tara auch. Und dann noch so ungefähr fünfzehn andere Quomaianer, die ich noch nicht kenne.
Ich, nachdem ich meine vier Freunde umarmt habe, voll Freude: „Hey, es gibt Party! Wer hat denn Geburtstag?“
Jeder Quomai gibt mir die Hand, lächelt mich an, nennt mich „Retter“ oder „Held“ oder etwas in der Art und freut sich, mich zu sehen. Ich freu mich natürlich darüber, es ist mir aber auch ein bisschen peinlich.
Der letzte Quomai, der mich begrüßt, hat einen Blumenkranz am Kopf.
„Dchu bist chalso dcher bcherühmte Pcheter, dcher Chretter unseres Plchaneten! Ich fchreue mich chaußerordentlich, dich noch kchennenzulernen!“
„Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen!“
„Mchein Chname ist Chratu. Ich sage dchir mcheinen vchollständigen Nchamen nchicht, Wchala chat mchir erzchält, ihr chabt kcheine so chlangen Nchamen auf dcheinem Cheimatplaneten!“
„Ja, danke, Ratu, ich kann mir eure langen Namen leider nicht merken. Du bist das Geburtstagskind! Woher kennst du meine Freunde?“
Wala antwortet für ihn: „RRattu istt mmmeinnn Mmutterrmmutterrbbrutterr.“
Der Mutter-mutter-bruder – also Walas Großonkel. Und seinen Akzent finde ich witzig! Jeder Quomai hat einen ganz eigenen Akzent, das gefällt mir immer wieder.
„Undh“, sagt nun Tara, „esh ist kheine Gheburtsthagsfheier.“
„Oh! Schade! Was feiert ihr denn dann?“
Während unseres Gesprächs haben wir uns alle um den Tisch gesetzt und beginnen, die Köstlichkeiten zu verspeisen. Brote mit Aufstrichen in allen Farben, kleine Törtchen, einzigartiges Obst, das ich noch nie gesehen habe, rund, oval, länglich, von giftgrün über schrill gelb bis zu dunkelorange, gezackt, stachelig, mit glatter Haut, mit schrumpeliger Haut, und so weiter! Da geh'n mir echt die Augen über!
Ein paar Teller enthalten Fleischbällchen. Ich hoffe, dass es nicht das kleine Krmrz… mah, ich krieg das auf Anhieb nie hin … das kleine Kmrzrnrtati, das quomaianische Kälbchen ist, das mir Wala vor über einem Jahr gezeigt hat, als es grad kurz vorher geboren worden ist!
Wie ich schon bei vielen gemeinsamen Essen auf diesem Planeten beobachtet habe, bietet jeder Quomai zuerst seinen Nachbarn links und rechts an, bevor er selbst zugreift. Auch ich mache das so.
„Wirr feierrrn RRattus Abbschiett“, erklärt Wala.
„Abschied, ach so! Wohin gehst du denn, Ratu?“, sage ich mit vollem Mund.
„Ichch wcheiß echs nchicht. Dchas wcheiß nchiemand.“
„Wie, das verstehe ich nicht. Und wie lange wirst du weg sein?“
„Fchür chimmer, Pcheter.“
„Oh, ach so?“ Ich bin ein bisschen verwirrt. „Und wieso weißt du nicht, wohin du gehen wirst?“ Mmmh! Die grünen, stacheligen Früchte schmecken besonders gut! Die Stacheln sind ganz weich, man kann sie auch essen.
„Aufi dera Erde“, schaltet sich nun mein Freund Totu ein, „sagt ihra dazu, dassi man stirbta.“
„Wie bitte? Stirbt?“ Meine Hand, die sich grad noch eins von den Broten holen will, zuckt zurück. „Aber wie ist das … das tut mir … das ist ja … oh du meine Güte! Das ist ja schrecklich traurig!“ Ich krieg keinen richtigen Satz raus. Was werden mich meine Freunde für einen unsensiblen Vollpfosten halten! Ich mache einen auf lustig, dabei ist das ja ein total, total trauriger Anlass.
Viele Fragen schwirren wie aufgeschreckte Vögel durch meinen Kopf!
„Wieso wisst ihr, wann ihr sterbt? Wohin geht ihr genau, das müsst ihr ja wissen, sonst kommt ihr da ja nicht hin? Seid ihr böse auf mich, weil ich mich so danebenbenommen habe? Und wieso seid ihr alle nicht ganz, ganz traurig? Oder seid ihr es eh?“ Die letzten beiden Fragen stelle ich, weil die Quomaianer allesamt keinen unglücklichen Eindruck machen, sondern fröhlich miteinander plaudern und manchmal sogar lachen.
„Wieso wir wissen wissen, wann wir wann wir sterben, wissen wir nicht“, antwortet Maki.
„Knaknakna! Nichta wissen, wieso wira wissena! Du bista lustig, Maki. Abera du findest dasi vielleicht nichta so lustiga, Peter, entaschuldige, bitte. Wira spüren es einfachi“, sagt Totu.
„Ich chweiß nicht, wchohin ich gehen mchuss“, sagt Ratu, „ich gchehe einfchach lchos, wchohin mchich mcheine Gchedanken chleiten. Irgchendwo in Rchichtung Sandwüste, dchort bcheginnt für chjeden dcher Chweg.“
„Undh whir sind nhicht thraurig, lhieber Pheter“, erklärt Tara. „Whir habhen ja nhoch die Mhöglichkeit, unsh vhon unsheren Lhieben zu vherabschieden. Undh dhas Sterbhen gehört einfhach zhum Lheben.“
„Und nniemmmandd istt ppösse auff dich, lieberr Peterr“, fügt Wala noch an.
Ich weiß, dass meine Freunde nicht herzlos sind, oh nein, ganz im Gegenteil! Diese Gelassenheit gegenüber dem Sterben kann ich aber nicht teilen. Nicht mal Ratu selbst ist nervös oder traurig oder so, er lächelt die ganze Zeit, ich verstehe das nicht.
Ich hingegen bin nun wahnsinnig traurig und mein Herz klopft viel schneller als normalerweise. Wie kann es sein, dass Ratu heute noch hier mit uns sitzt und quatscht und morgen einfach nicht mehr da ist? Und wenn sie alle in die Wüste gehen, müssten da nicht lauter … nein, nicht denken, nicht Skelette denken! Oh, verflixt, wie denkt man etwas nicht?
„Knaknaknakna, du bisti lustig, Petera! Auchi wenn du es vielleichti nichti so meinst!“
Oh je, Totu, hat meine Gedanken gelesen! Und alle anderen Quomaianer bestimmt auch. Megapeinlich!
„Nachdem wir nachdem wir gegangen sind sind, bleibt nichts mehr nichts mehr von uns zurück“, erklärt Maki.
„Außher nathürlich die Erinnerung“, sagt Tara, „die lhebt in unsheren Familien undh Freunden weiter.“
„Fürr immmerr“, bekräftigt Wala.
Dann ist das Essen beendet, alle Quomaianer stellen sich in einer Reihe auf. Ich stelle mich dazu. Ratu geht von einem zum anderen, umarmt ihn und sie wechseln noch ein paar Worte. Immer noch schaut niemand traurig aus, ganz im Gegenteil, manchmal lachen und scherzen sie sogar miteinander. Ich verstehe das nicht. Mir rinnen nun die Tränen über das Gesicht, es tut mir leid, ich kann nicht anders. Da helfen auch keine Entspannungsübungen. Ich probier’s erst gar nicht.
Dann kommt Ratu zu mir.
„Lcheb wchohl, Pcheter, so schchön, dchass ichch dchich pchersönlich kchennen gchelernt chabe!“
Ich bringe kein Wort heraus, umarme Ratu nur. Dann muss ich doch noch etwas los werden: „Es tut mir leid, dass ich deine Party … also deine Feier … dass ich sie kaputt gemacht habe!“
„Pcheter, dchu wcharst dcher Chehrengast, dchu chast nichts kchaputt gchemacht! Lcheb wchohl, lchieber Fchreund! Und sei nicht so tchraurig!“
Nun, der letzte Ratschlag bewirkt leider das Gegenteil.
Kurz darauf gehen alle Quomaianer nach Hause, ich bleibe mit meinen Freunden Maki, Totu, Tara und Wala zurück. Auch sie versichern mir, dass ich die Feier nicht kaputt gemacht habe, dass sich alle gefreut haben, mich zu sehen und ganz besonders Ratu.
„Ich weiß, dass bei euch alles anders ist“, beginne ich, „trotzdem … “ Dann muss ich wieder weinen.

„Peter was ist los, warum weinst du denn so?“ Mama sitzt plötzlich neben mir. Sie umarmt mich. Ich bin wieder in meinem Bett. Ich bringe kein Wort heraus, weine nur heftig an ihrer Brust.
„Ich habe vom Sterben geträumt“, sage ich dann. „Jemand hat gewusst, dass er sterben muss und es hat vorher noch eine lustige Feier für seine Freunde gegeben, dann hat er sich von allen verabschiedet und ist einfach zur Tür hinausgegangen.“
Über meine quomaianischen Freunde habe ich Mama noch nie erzählt und das ist auch jetzt nicht nötig.
„Ist das denn kein beruhigender, tröstlicher Gedanke“, fragt sie, „wenn man nicht so unvermutet aus dem Leben gerissen wird? Denk doch an Herrn Swoboda von gegenüber. Einfach Autounfall und vorbei. Das muss für seine Familie doch ganz schrecklich sein.“
„Wenn man weiß, dass man gehen muss, kann man noch einiges erledigen“, sagt Mama. „Zum Beispiel eine fröhliche Feier veranstalten, damit die Freunde nicht traurig sind. Oder haben in deinem Traum alle geweint?“
„Nein, nur ich. Sie haben miteinander gelacht und gescherzt. Und zum Schluss hat ein jeder den, der sterben musste, in den Arm genommen.“
„Deine Traumfiguren sind mir sympathisch.“
Mama lächelt mich aufmunternd an. Trotzdem. Ein beruhigender Gedanke? Tröstlich? Ich weiß nicht. Wie siehst du das?
„Denkst du noch oft an die Uroma?“, frage ich sie schließlich.
„Mindestens jede Woche.“
„Erzählst du mir von ihr?“
„Komm, steh auf, Peter, wir reden beim Frühstück über sie.“

Samstag, 25. Januar 2014

Ralfs Stunde

So, nun ist es passiert! Jetzt konnte ich Ralf mal so vorführen, wie er sonst immer mich! Mit Totus Hilfe. Rache ist Blutwurst!
Du kennst ja Ralf, meinen Schulkollegen, der mich peinigt, wo er nur kann. Seit ich meine Entspannungsübungen habe, kann ich mit ihm viel besser fertig werden, das heißt, ich ärgere mich nicht mehr so sehr über seine Gemeinheiten. Ganz kalt lässt er mich natürlich trotzdem nicht.
Es war vorgestern in der Geographiestunde. Ich sitze immer noch allein in einer Bank und plötzlich saß Totu neben mir. Diesmal bin ich nicht – so wie bei Makis Besuch vor langer Zeit – von der Bank gefallen vor Schreck, hab auch nix gerufen, weil ich so überrascht war, kurz, es hat niemand gemerkt.
„Totu“, denke ich, „das ist ja nett, dass du mich besuchst!“
Auf der Erde kann außer mir niemand meine quomaianischen Freunde sehen oder hören. Und weil sie meine Gedanken lesen, kann ich mich mit ihnen unterhalten und keiner merkt etwas.
„Hallo Petera, ichi dachte, ichi schau mala bei dira vorbei!“
Was hat die Lehrerin gesagt? Jetzt habe ich kurz nicht aufgepasst. Wie war das? Rotalgen, die durch die Verschmutzung im Wasser entstehen? In welchem See in Österreich war das vor ganz vielen Jahren?
„Haha! Weil der Peter vorher drinnen geschwommen ist“, ätzt Ralf, mein Erzfeind.
„Haha, so lustig“, denke ich. Sagen tu ich nix, das bringt sowieso nichts.
Was macht Totu? Er geht rasch zu Ralf hin und schubst sein Schüttelpennal vom Tisch! Alle Stifte rollen raus und verteilen sich über den Boden!
„He!“, schreit Ralf, „was soll das?“
„Ja genau, Ralf“, schaltet sich die Lehrerin, Frau Huber, ein, „was soll das?“
„Ich war das nicht!“
„Wer denn sonst?“, will die Lehrerin wissen.
Da dreht sich der Ralf doch glatt zu mir um und sagt: „Das war sicher der Peter!“
Ich darauf: „Ja genau, weil ich ja nicht drei Reihen weg von dir sitze!“
„Seid sofort still ihr beiden und Ralf, spar dir deine Faxen!“
„Ich war das nicht“, mault Ralf nochmals, während er seine Stifte aufhebt.
Die Lehrerin glaubt ihm nicht.
„Ruhe jetzt!“, schnaubt sie ärgerlich.
Ich kann mein Grinsen nur schwer unterdrücken.
„Hast du Besuch?“, haucht mir Susanne zu.
Sie sitzt in der Reihe vor mir. Schlaues Mädchen. Ich nicke unmerklich.
„Das zahl ich dir heim!“, zischt Ralf dann in meine Richtung.
Ich werfe ihm einen wie-soll-ich-denn-das-gemacht-haben-du-Blödmann-Blick zu. Da – patsch! Schon wieder landet das Pennal am Boden! Wieder kullern die Stifte in alle Richtungen davon. Totu grinst von einem Ohr zum anderen und setzt sich wieder neben mich.
„Peter, du Ar$(#!“
„Ruhe jetzt, Ralf!“ Frau Huber ist nun echt wütend und knallt mit der Hand auf das Lehrerpult. „Lass Peter aus dem Spiel, der ist mehr als zwei Meter weg von deinem Schreibtisch! Zum letzten Mal, hör mit deinen Faxen auf, sonst hat es Konsequenzen für dich! Und spar dir deine Kraftausdrücke!“
Die Klasse, die vorher noch gekichert und getuschelt hat, ist nun mucksmäuschenstill.
„Oh je, haba ichi vielleichti wasa Schlimmes gemachta?“, fragt Totu und macht große Augen.
„Nein, nein, lieber Freund“, denke ich, „das passt perfekt, das geschieht ihm ganz recht!“
Jaaa! Das ist jetzt die Rache für die Gemeinheiten, die ich all die Jahre von Ralf erdulden musste!
„Neini, Petera, Rache ist niemals guti!“, ruft Totu. „Dasi machta deina Herz böse!“
„Wolltest du mich denn nicht rächen, Totu?“, denke ich.
„Neini“, erwidert mein Freund, „icha wollte nur, dass er aufhörti, gemein zu dira zu sein. Obwohl“, setzt er fort, „es nichta richtig isti, seine eigene Überlegenheita auszuspielen.“
„Überlegenheit?“
„Na, weil era michi ja nichta sehen kanni.“
„Ach Totu, jetzt sei doch kein Moralapostel!“
Ralf hat mich so viele Jahre sekkiert, da gehört ihm so ein Denkzettel schon mal! Und geschimpft – wenn man es genau betrachtet – hat Frau Huber mit ihm nicht, weil die Stifte runtergefallen sind, sondern weil er mich dafür verantwortlich gemacht hat. Daher ist er eigentlich selbst schuld, der Blödmann.
„So geseheni hast du Rechti“, bestätigt Totu. Er liest meine Gedanken, auch wenn ich sie nicht direkt an ihn richte.
„Und lustig war es auch“, denke ich grinsend.
„Ja, knaknakna, das wari sehr lustiga“, bestätigt Totu, grinst breit und – ist verschwunden!

Donnerstag, 21. November 2013

Hallo, nach sehr langem Schweigen!

Oh, je, jetzt hab ich dir lang nix mehr von mir erzählt! Nicht, weil ich keine Lust hatte, dir von meinen Freunden zu berichten, das darfst du nicht glauben. Aber leider geht es meiner Freundin Susanne sehr schlecht, weil ihre Mama seit dem Frühjahr sehr, sehr krank ist.
Nicht nur, dass ich daher noch mehr Zeit verbringe mit ihr als üblich, sondern es schien mir auch total unpassend, lustige Geschichten zu erzählen, wenn Susanne so traurig ist.

Wenn Susanne mich gefragt hat, warum ich nichts mehr schreibe, dann hab ich immer gemeint, dass ich keine Lust hätte, keine Zeit und so weiter. Aber kürzlich hat sie dann herausgefunden, worum es mir wirklich geht.
"Du bist ganz schön blöd!"
Das waren ihre Worte. Typisch Susanne. Immer ganz direkt.
"Grad weil es mir nicht gut geht, will ich doch deine lustigen Geschichten lesen!"

Also gut. Dann beginne ich doch wieder damit, die Erlebnisse mit meinen Freunden aufzuschreiben. Es ist ja nicht so, dass wir nicht oft genug Spaß haben!

Eine Geschichte fällt mir da sofort ein, die mit dem Hund. Die war echt lustig!

Meine Freunde haben mich letzten Sonntag besucht, gleich alle vier. Wir sind im Donaupark spazieren gegangen, da waren wir schon ein paarmal, meinen Freunden gefällt's da recht gut. Na, jedenfalls kam eine Frau mit ihrem Hund daher. Und - du wirst es nicht glauben - der Hund konnte meine Freunde sehen! Er ist um Tara herumgetänzelt und schwanzwedelnd an Wala hochgehüpft. Das Frauerl vom Hund konnte meine Freunde natürlich nicht sehen. Stell dir das mal bildlich vor, wenn ein Hund plötzlich um nix herum im Kreis läuft und sich dann auf die Hinterbeine stellt und gegen jede Physik schräg stehen bleibt, so wie Michael Jackson in einem seiner Videos. Wobei ihm allerdings die Schuhe festgeklebt worden sind, oder so.

Den Blick von der Frau auf ihren Hund kann man mit Worten gar nicht beschreiben, sie ist so was von baff!
"Was ist denn das, Rufus, was machst du denn?", fragt sie total verwundert.
Maki und Totu fangen natürlich wieder mal zu lachen an.
"Kachkachkachkach!"
"Knaknaknakna!"
Was passiert? Du hast's sicher schon erraten: ich muss mitlachen.
"Hört auf, haha!"
Uups, das ist mir rausgerutscht.
"Was sagst du?", fragt die Frau.
"Äh, ich meine, dass sie mit ihrem Hund im Zirkus auftreten können", stoße ich zwischen zwei Lachern hervor.
"Ich versteh' das nicht", sagt sie ärgerlich, "Rufus, komm jetzt da weg! Und du, mach dich nicht lustig über uns!"
"Würde ich nie tun", antworte ich und versuche ein ernstes Gesicht. Das gelingt mir nicht so richtig, irgendwie reiße ich bloß die Augen weit auf.
"Kachkachkach, du kannst kannst auch im Zirkus auftreten Zirkus auftreten", ruft Maki.
"Hör auf zu lachen", zische ich.
"Ich lache ja gar nicht", meint die Frau ärgerlich, "hör du auf!"
Oh je, das wird immer schlimmer!
"Knaknakna, am bestena nixi mehr sagen, Petera", rät Totu lachend.
Auch Tara und Wala haben nun zu kichern begonnen, was nicht wirklich hilfreich ist für mich.
"Aufhören, bitte aufhören", füstere ich.
"Ja", sagt die Frau zornig, "ich höre nun auf."
Wieso hat sie so gute Ohren? Dann nimmt sie ihren Hund beim Halsband und geht ganz schnell weg. Der Hund wehrt sich ein bissel, will bei meinen Freunden bleiben, aber die Frau ist stärker.
"Sie könnten sicher viel Geld mit dem Hund und seinem Kunststück verdienen!", rufe ich ihr nach.
Mittlerweile - das liegt auf der Hand - haben sich Maki und Totu auf den Rücken geworfen, strampeln mir ihren Beinen in die Luft und lachen, was das Zeug hält.

Tara und Wala tanzen um mich herum und rufen immer wieder:"Hör zu lachen auf Peter!"

Schließlich lachen wir alle, bis uns die Luft ausgeht. Die Frau wird von diesem Erlebnis vielleicht noch ihren Enkelkindern erzählen. Ein Hund, der schräg auf seinen Hinterbeinen steht! Echt krass, nicht?



Sonntag, 23. Dezember 2012